Geschichte

Frühe Geschichte
Vermutlich waren die indoarischen Darden und Mon die ersten Bewohner Ladakhs. Noch heute findet man Felsreliefs, Zeichnungen und Ritzungen mit Jagd- und Steinbockmotiven von den Darden, die damals als Jäger und Hirten lebten, mit einer starken schamanischen Kultur. Nach Auseinandersetzungen mit den Mon ließen sich die Darden im Unteren Ladakh nieder. Überreste dardischer Bauten findet man sogar noch in Leh, über dem Palast. Außerdem nimmt man an, dass es sich bei Ruinen in Chigtan, Khaltse und Alchi um ehemalige Darden-Burgen handelt.



Die Mon wurden hautpsächlich im Oberen Ladakh sesshaft und lebten ebenfalls als Hirten und Jäger. Auch die Mon errichteten stolze Burgen, insbesondere in Zanskar, zB in Padum und Tsadar. Als erste Bevölkerungsgruppe waren sie es, die den Buddhismus annahmen.

Ladakh als tibetisch-buddhistisches Königreich
Der vermutlich erste König von Ladakh war Nyatri Sangpo, der wahrscheinlich aus Tibet stammte. Ihm wird nachgesagt, dass er Nachkomme des mythischen Königs Ling Gesar sei. Seine Residenz könnte unter Umständen im heutigen Phyang gelegen haben.

Erst im 1. Jhdt. nach Christus beginnt die Zeit der ersten historisch belegbaren Könige von Ladakh, die der tibetischen Yarlung-Dynastie zugerechnet werden. Palgyi Gon soll der erste gewesen sein, der in dieser Dynastie, die Herrschaft über Ladakh um 930 errang. Die Nachfahren Palgyi Gons hatten ihre Residenzen in Shey und Sabu. Trotz allem hielten sich noch lange unabhängige dardische Fürstentümer in gewissen Regionen Ladakhs an der Macht.

Mit den ersten Königen Ladakhs wurden unzählige tibetisch-buddhistische Klöster errichtet und Ladakh entwickelte sich zu einem wahren Kulturzentrum des tibetischen Buddhismus. Erst nachdem der Buddhismus in Indien an Einfluss verlor verlagerte sich dieses Zentrum vermehrt nach Zentraltibet.

Aufgrund von Familienstreitereien wurde Ladakh im 15. Jhdt. in zwei Königreiche geteilt. Die Brüder Dragspa Bum und Drags Bumde teilten sich Ladakh.

Die Namgyaldynastie (1470-1834)
Unter Lhachen Bagan wurde Ladakh schließlich wieder vereint und die Residenz wurde in die heutige Hauptstadt Leh verlegt. Lhachen Bagan nannte seine Dynastie Namgyal, was soviel wie „großer König“ bedeutet. Das Königreich von Zanskar wurde bis ins 19. Jhdt. von den Fürsten von Padum und Zangla regiert.
Der Sohn von Lhachen Bagan und nächste König Sassi Namgyal konnte schließlich auch das dardische Fürstentum von Chigtan erobern. Sein Nachfolger Tsewang Namgyal annektierte in seiner Regentzeit von 1532 bis 1560 auch das Kulutal. Ab dieser Zeit kam es vermehrt zu Attacken von turko-mongolischer und baltischer Seite. Jamyang Namgyal, der Nachfolger von Tsewang Namgyal, konnte zwar eine weitreichende Bekehrung zum Islam verhindern, musste aber eine Prinzessin von Baltisan heiraten.

Der Sohn des Königs und der baltischen Prinzessin war der legendäre Sengge Namgyal, der bis heute als der wichtigste und einflussreichste König Ladakhs gilt. Unter ihm konnten große Teile zurückerobert werden, die durch vorherige Angriffe verloren gingen. Unter Sengge Namgyal erreichte Ladakh erneut eine kulturelle Hochblüte. Unter ihm wurden wichtige buddhistische Klöster errichtet. Während in Tibet die Gelugpa-Sekte (Gelbmützen) unter der Führerschaft der Dalai Lamas verstärkt an Bedeutung gewann, förderte Sengge vor allem die Drukpa-Kargyü-Sekte (Rotmützen). Ausserdem bestand er auf die Teilung in weltliche und geistliche Macht, während in Tibet der Dalai Lama beides verkörperte. Viele Drukpa-Kargyüpa-Mönche flüchteten aus Tibet und ließen sich in Ladakh und Bhutan nieder. Während dieser Zeit wurden die bedeutenden Klöster von Stakna, Hemis und Chemre gegründet.

Mit Hilfe der Mongolen planten die Tibeter unter dem 5. Dalai Lama schließlich einen Kriegzug nach Ladakh. Der Nachfolger Sengges Delegs Namgyal (1660-1685) wandte sich aus diesem Grund um Hilfe rufend an den Mogulen von Kaschmir, mit dem schließlich die Niederschlagung der Invasion bei Basgo gelang. Dennoch wurden im Friedensvertrag von Timosgang die ladakhischen Regionen Guge und Purang, als auch Goldminen und Salz- und Boraxlager den Tibetern zugesprochen. Kaschmir erhielt für seine Hilfestellung ab nun Tributzahlungen, konnte eine Moschee in Leh errichten und die Familie um Delegs Namgyal musste zum Islam übertreten.

Ende der ladakhischen Selbstherrschaft
Nachdem Ladakh fast über ein Jahrtausend ein unabhängiges Königreich war, wurde es 1834 unter Zorawar Singh, dem Wesir des Maharajas von Jammu, Teil von Jammu und Kashmir. Der damalige König von Ladakh wurde entmachtet und die gesamte Familie zog in den Palast von Stok – wo die Nachkommen noch heute leben.

Nach dem Ende der britischen Herrschaft in Indien und der Teilung des indischen Subkontinents in Pakistan und Indien, blieb die Zugehörigkeit Kaschmirs lange Zeit unklar. Somit kam es bald zu kriegerischen Auseinandersetzungen der beiden Parteien, die beide Anspruch auf Kaschmir erhoben. Nachdem Kaschmir nach mehreren Kriegen geteilt wurde, wurde Ladakh, inklusive Zanskar und Kargil Teil des indischen Staates. Aufgrund einer Invasion der chinesischen Armee in das ladakhische Gebiet von Aksai Chin wurde jedoch später ein großer Teil Ladakhs verloren, das heutige zum chinesischen Sinkiang zählt.

„In der steinigen Einöde zwischen den Bergen kannst du einen eigenartigen Markt finden: Du kannst dort den Wirbel des Lebens gegen grenzenlose Seligkeit eintauschen.“

Milrepa