Religion & Kultur

Sprache
Von der überwiegenden Bevölkerung wird Ladakhi als Muttersprache gesprochen. Ladakhi ist eine tibeto-birmanische Sprache der tibetischen Sprachfamilie, die große Ähnlichkeiten mit der Grammatik des Tibetischen aufweist und dieselbe Schrift verwendet. Viele Ladakhis bezeichnen ihre Sprache stolz als das „authentische“ Tibetische, das in den Frühzeiten Tibets in Lhasa gesprochen wurde. Erst seit wenigen Jahren gibt es Versuche das Ladakhi auch in schriftlicher Form einzuführen, buddhistische Texte, die einzige Literatur in Ladakh, und sonstige Aufzeichnungen wurden in Tibetisch verfasst.


Neben Ladakhi werden Urdu, sowie „shina“ und „dardi“ Dialekte aus der Familie der indo-arischen Sprachen gesprochen. An den Schulen wird hauptsächlich Urdu, Hindi wie auch Englisch unterrichtet. Ladakhi selbst kommt an den Schulen leider eine untergeordnete Stellung zu.


Religion: Buddhismus & Islam
In Ladakh spielen zwei Religionen eine wesentliche Rolle im Leben der Menschen. Während im Osten Ladakhs (Distrikt Leh) hauptsächlich der Buddhismus tibetischer Ausprägung eine Rolle spielt, ist der Islam – vorwiegend shiitischer Ausrichtung – im Westen (Distrikt Kargil) stärker verbreitet.


Der Buddhismus und seine Anfänge in Ladakh
Noch bevor sich der Buddhismus in Ladakh durchsetzen konnte waren die Menschen Anhänger einer animistischen Religion, in der insbesondere Schamanen eine große Rolle spielten. Schamanische Elemente und Riten sind bis heute wichtige Bestandteile im Buddhismus Ladakhs (so generell im tibetischen Buddhismus).


Ca. 300 vor Christus, zur Zeit des großen „Religionskaisers“ Ashoka, der damals über Indien regierte und ein begeisterter Anhänger des Buddhismus und seiner Philosophie war, reisten buddhistische Gelehrte von Kashmir nach Ladakh, um die Lehre Buddhas zu verbreiten. Doch auch schon die ersten Bewohner Ladakhs, namentlich die Mon und Darden, waren Anhänger des Buddhismus.


Die stärkste Verbreitung fand der Buddhismus in Ladakh jedoch mit der Reise des großen Tantrikers Padmasambhava (der „Lotosgeborene“) im 8. Jahrhundert durch Ladakh. Man sagt ihm nach, dass er mit seinen magischen Kräften die bösen Bön-Geister besiegt hat und damit die Menschen zum Buddhismus bekehrt hat. Der Legende nach meditierte Padmasambhava in verschiedensten Höhlen, wo heute wichtige Klöster zu finden sind (zB Thakthok, Sani, Shergol, Lamayuru).


Neben Padmasambhava ist der Gelehrte Rinchen Zangpo (958-1055) als wichtiger Bereiter des Buddhismus in Ladakh zu nennen. Er war ein bedeutender Übersetzer und war maßgeblich an der Gründung von 108 (eine Zahl wichtiger religiöser Bedeutung) Klöstern in Ladakh, Spiti und Guge beteiligt.


Nachdem das bisherige buddhistische Zentrum Kashmir infolge islamischer Eroberungen und Konvertierungen verloren war, entwickelte sich Tibet zum neuen spirituellen Zentrum – auch für Ladakh. Wichtige Mönche aus Ladakh erhielten fortan ihre Ausbildung in Tibet.


Der tibetische Buddhismus im Alltag der Menschen
Wie auch in Tibet haben sich auch in Ladakh mit der Verbreitung des Buddhismus Elemente der vorbuddhistischen Religion bewahrt. So ist der Alltag der Menschen noch immer stark mit einem animistischen Volksglauben verbunden. Nachdem dieser aber so eng mit dem Buddhismus verbunden ist, ist es oft schwer eine Trennung zwischen diesen beiden Religionen zu ziehen.


Für die Ladakhis spielt der Glauben um Geister rund um Haus und Felder noch immer eine bedeutende Rolle. Die Vertreibung von bösen Geistern und das Anlocken von Guten ist trotz der Verbreitung des Buddhismus noch immer wesentlich.
Eine detaillierte Einführung in den tibetischen Buddhismus finden Sie hier.


Alte mystische Traditionen
Amchis, Schamanen & Orakel
Ladakh ist ein Land mit vielen Traditionen und Glaubensrichtungen. Lange bevor der Buddhismus in diese abgelegene Region gebracht wurde, haben Schamanen und andere weise Männer und Frauen ihr Wissen mit den Menschen, die auf der Suche nach Heilung und Rat waren, geteilt. Die Mystik der schamanischen Trance und Amnesie in der rituellen Heiltradition wir in der ladakhisch-tibetischen Kultur seit Jahrhunderten praktiziert. Diese Institution inkludiert Lha-pa und Lha-mo (Orakel), Amchi (lokale Medizinmänner), und Onpo (Astrologen). Diese Schamanen werden für Gesundheit, Krankheit, Heilung, Rituale und Voraussagen konsultiert.


Wer sind Onpos?
Onpos, Experten in tibetischer Astrologie mit schamanischen Zügen, waren ursprünglich eine eigene Sekte von Lamas. Sie dürfen heiraten, leben mit ihren Familien und werden sie von Dorfbewohnern für astrologische Voraussagen konsultiert. Von großer Bedeutung ist der Onpo, wenn jemand stirbt, denn der Onpo begleitet den Toten durch das 49-tägige Bardo, dem Zwischenzustand ab dem Moment vor dem Tod bis zur Wiedergeburt. Auch bei Geburten und Hochzeiten ist der Onpo ein gefragter Spezialist. Jedes Kind erhält kurz nach der Geburt sein persönliches Horoskop und wenn zwei den Bund der Ehe eingehen wollen, wird zuerst einmal der Onpo gefragt, ob man überhaupt eine Zukunft miteinander hat. Daneben vollführen sie Rituale für lokale Gottheiten.


Wer sind Orakel?
Es gibt viele traditionelle Heiler, die Lha-pa (männlich) oder Lha-mo (weiblich) genannt werden, was soviel wie „göttliche Person“ bedeutet. Während einer Trance verkörpert sich ein Geist oder eine Gottheit in diesen Personen. Die Orakel versetzen sich in Trance und vollführen die notwendigen Heilungen für ihre Klienten, aber sie sind nachher nicht mehr imstande, sich an irgendetwas während dieser Zeit zu erinnern.


Neben körperlichen Beschwerden und geistigen Störungen, werden auch Krankheiten, die aufgrund von schwarzer Magie oder bösen Geistern hervorgerufen wurden, geheilt. Auch Tiere werden auf diese Art geheilt. Die wichtigste Tätigkeit dieser Schamanen liegt im Aussaugen krankheitsverursachender Objekte.


Der schamanische Kult ist eine faszinierende Brücke zwischen schamanischer und buddhistischer Religion, zwischen alter und neuer Ära. Bis heute sind diese Institutionen ein wichtiger Faktor im Leben der Ladakhi.


Wer sind Amchis?
Amchis, tibetische Mediziner, sind ähnlich westlichen Ärzten auf die Behandlung von physischen Krankheiten spezialisiert. Der Ursprung der Krankheit und die tatsächliche Behandlung der Krankheiten unterschieden sich jedoch erheblich zur westlichen Sichtweise. Im Gegensatz zur Schulmedizin ist seine Betrachtungsweise eine ganzheitliche. Nicht nur physische, auch psychische und religiöse Komponenten spielen in der Diagnostik und Behandlung eine große Rolle. Ihre Diagnose erfolgt durch das Lesen des Pulses, den Geschmack und Geruch des Urins und andere Methoden. Wichtig ist hier auch, dass der Amchi Mitgefühl und erleuchtetes Wissen für den Patienten fühlt.


Diese Tradition, die den Amchis zufolge bereits von Buddha selbst begründet wurde, wird folgedessen schon sehr mehr als zweitausend Jahre praktiziert. Die tibetischen Mediziner können dabei auf überragende Erfolge zurück greifen, so wurden bereits im 5. Jahrhundert Operationen am Auge durchgeführt. Generell ist die tibetische Medizin aber wenig invasiv, man bedient sich hauptsächlich selbstgemachter Pillen oder Pulver aus Kräuter und Mineralien, die während anstrengender Touren meist selbst gesammelt werden.


In Ladakh unterscheidet man zweierlei Amchis: 1. „Geistliche“ Amchis. Das sind Mönche, die mehrere Jahre auf der Universität tibetische Medizin und Astrologie studiert haben. 2. „Nicht geistliche“ Amchis. Das sind oft ganz einfache Bauern, die ihr Wissen und Können von einer Generation an die nächste weitergegeben haben. Trotz der fehlenden universitären Bildung sind auch diese Amchis oft bewundernswerte Mediziner und hochgeachtet.

„Die Bäume, die Blumen, die Kräuter, sie wachsen in der Stille. Die Sterne, die Sonne, der Mond, sie bewegen sich in der Stille. Die Stille gibt uns eine neue Sicht der Dinge.“

Mutter Teresa