Gesundheit & Sicherheit

Vor der Anreise
Jede Fernreise will geplant sein, auch in gesundheitlicher Hinsicht. Das fremde Klima, das neue Essen, gesundheitliche Risiken vor Ort, die Höhe und viele andere Faktoren können schnell Urlaubsfreuden dämpfen.


Impfungen
Generell werden keine speziellen Impfungen für die Einreise nach Indien verlangt. Im Allgemeinen wird empfohlen sich gegen Hepatitis (A+B), Diphterie, Polio und Typhus impfen zu lassen.

Ladakh liegt zwar in Indien, trotzdem, die Impfempfehlungen die für den tropischen Subkontinent gelten, müssen Sie, wenn Sie planen nicht viel Zeit im Rest Indiens zuzubringen, nicht 1:1 übernehmen. Klären Sie Ihren Arzt darüber auf, dass Ladakh klimatisch eher wie Tibet ist – dh trocken und heiß, aber nicht tropisch-schwül. Dementsprechend wird er Ihnen Impfungen empfehlen.

Nähere Auskünfte erteilt Ihnen auch das tropenmedizinische Institut oder das Gesundheitsamt.


Gesundheitliche Vorbelastungen
Nachdem man sich in Ladakh durchschnittlich auf mindestens 3.500m Höhe bewegt, müssen besonders Menschen mit Herz- und Lungenbeschwerden, zu niedrigem/hohen Blutdruck, Kreislaufbeschwerden und/oder anderen Krankheiten in jedem Fall mit ihrem Arzt absprechen, ob eine Reise nach Ladakh auch wirklich anzuraten ist.

Training & Vorbereitung
Menschen, die vorhaben in Ladakh eine Trekkingtour zu machen, glauben häufig, sie müssten sich speziell darauf vorbereiten. Generell gilt, wer sich eine Trekkingtour mit einem Schwierigkeitsgrad ausgesucht hat, den sie/er auch in den Alpen bewältigen würde, wird dies auch in Ladakh schaffen. Ein spezielles Training ist für Menschen, die sich gerne bewegen und eine gute Kondition haben, nicht notwendig. Sollten Sie aber auch zu Hause nicht wandern gehen, und sich eine Wandertour ausgesucht haben, die Sie sich eigentlich gar nicht zutrauen, ja, dann ist es an der Zeit sich darauf vorzubereiten!

Ein spezielles Höhenanpassungsprogramm in Höhenkammern bzw. Aufenthalte auf Bergen über 3.000m sind an und für sich nicht notwendig und machen auch nur dann Sinn, wenn man es kurz vor der Abreise macht, denn die roten Blutkörperchen, die sich auf der Höhe vermehren, verringern sich in niedrigeren Höhen relativ schnell.


Gesundheitliche Risiken vor Ort

Höhenanpassung & Höhenkrankheit
Die Angst vor der Höhe hält viele davon ab, nach Ladakh zu fahren. Der Glauben, dass man sehr schnell an der Höhenkrankheit erkranken kann, hält sich standhaft, entpuppt sich bei genauerem Betrachten aber schnell als Irrglauben.

Tatsache ist: Wer hoch hinaus will und dabei Höhen über 2.500m Seehöhe erreicht, muss sich an den dort vorherrschenden geringeren Sauerstoffgehalt der Luft anpassen. Da mit zunehmender Höhe der Sauerstoffgehalt der Luft abnimmt, müsste man zur optimalen Versorgung des Körpers größere Luftmengen einatmen bzw. bei gleicher körperlicher Anstrengung wesentlich mehr Atemzüge machen. Auch wenn man schneller atmet kann man nicht genug Sauerstoff aufnehmen, man gerät schneller außer Atem, die Leistungsfähigkeit sinkt.

Glücklicherweise verfügt unser Organismus über Mechanismen, die bei geringerem Sauerstoffgehalt die Aufnahme von Sauerstoff erhöhen: schnellere und verstärkte Atmung, Erhöhung der Lungendurchblutung, Steigerung der Herzarbeit und vermehrte Bildung von roten Blutkörperchen, durch die mehr Sauerstoff aufgenommen werden kann. Diese An-passungsprozesse beginnen sofort bei der Ankunft in größeren Höhen, eine vollständige Akklimatisierung ist aber erst nach 4-6 Wochen erreicht. Nachdem nur die Wenigsten so viel Zeit haben, ist es wichtig, sich an einige Regeln zu halten [Siehe Vorsichtsmaßnahmen].

Die akute Höhenkrankheit (AHK) kann in jeder Höhe über 2.500 Meter auftreten, ist aber wesentlich seltener als man erwartet. Die ersten Symptome sind Kopfschmerzen, extreme Müdigkeit und Appetitlosigkeit. AHK resultiert aus einer Ansammlung von Flüssigkeit in Körperteilen, in die sie nicht gehört: im Gehirn oder/und in der Lunge. Verstärken sich die anfänglichen Symptome zur zunehmenden Müdigkeit, starken Kopfschmerzen, Brechreiz, Orientierungslosigkeit, Atemlosigkeit und Husten, so kann ein Ignorieren verhängnisvoll sein. Es gibt kein Medikament gegen die Höhenkrankheit, nur Medikamente gegen ihre Symptome. Nur ein sofortiger Abstieg heilt und rettet Leben! Jetzt aber keine Panik – AHK ist äußerst selten und kann meist mit nur wenigen Verhaltensregeln vermieden werden. [Siehe Vorsichtsmaßnahmen]


Magen und Darm
Das andere Klima, die Umstellung, der Stress vor dem Reiseantritt, das fremde Essen, neue, oft etwas schärfere Gewürze – vielen schlägt das schnell auf den Magen. Auch in Ladakh kann es Ihnen passieren, dass Sie einen Durchfall und/oder Verstopfung bekommen. Mit einigen wenigen Tricks kann man gut vorbeugen und dagegen ankämpfen, wenn man erst betroffen ist. [Siehe Vorsichtsmaßnahmen]


Die liebe Sonne
Die Sonne scheint in Ladakh gern den ganzen Tag lang, Schatten gibt es mancherorts kaum und weil man sich auf solch großen Höhen befindet, ist ihre Wirkungskraft um einiges größer als wir es gewöhnt sind. Unterschätzen Sie unter keinen Umständen, die Schäden, die die Höhensonne mit Ihnen anrichten kann. Auch geübte SonnenanbeterInnen sollten sie nur mit Vorsicht genießen.


Sicherheit

Reisewarnung?
Es gibt eine Reisewarnung für den Bundesstaat„Jammu und Kashmir“. Ladakh ist an sich ein Teil dieses Bundesstaates. Dennoch – so auch das österreichische Außenministerium – die Reisewarnung ist nur partiell, Ladakh ist ausgenommen:

„Vor Reisen in die ländlichen Gebiete von Jammu und Kaschmir (außer Ladakh) wird gewarnt, da eine hohe Gefahr von terroristischen Anschlägen besteht.“ Mehr dazu hier.

Der Grund: In Ladakh leben hauptsächlich Buddhisten und die Probleme des benachbarten muslimischen Kashmir sind hier nicht vorhanden.


Kriminalität
Ladakh ist nicht besonders gefährlich in Bezug auf Kriminalität.

Diebstähle gibt es kaum, von Überfällen hört man so gut wie nie, Einbrüche sind außerhalb von Leh gleich Null. Ganz im Gegenteil: Immer wieder hört man von Geschichten, dass einem die volle Geldbörse, die man im Restaurant hat liegen lassen, nachgetragen wurde. Trotzdem, wo vermehrt reiche TouristInnen sind, werden über kurz oder lang auch Langfinger angezogen. Das bestätigt auch die offizielle Statistik, denn wenngleich die Kriminalitätsrate noch immer gering ist, häufen sich in den letzten Jahren die Vergehen.

Also: Es gibt keinen Grund zu Panik, trotzdem sollte man Geld und andere Wertgegenstände lieber hüten, als offen zur Schau zu stellen! Vorsicht ist besser als Nachsicht!


Frauen und Sicherheit
Ladakh ist an und für sich ein Land, das sich auch alleinstehende Frauen zumuten dürfen. Die Ladakhis sind zurückhaltend und flirten kaum bis wenig. Achtung aber, wenn Sie allein in der Nacht oder in einsamen Gegenden unterwegs sind. In Ladakh gibt es eine sehr hohe Konzentration an indischen Soldaten, die bei weitem weniger Zurückhaltung als die ladakhischen Männer zeigen.

Weiße Frauen gelten als „leichte Beute“, anzügliche Bemerkungen und im schlimmsten Fall auch sexuelle Übergriffe können vorkommen. Daher: Wenn Sie in der Nacht unterwegs sind, bitten Sie Bekannte/FreundInnen Sie nach Hause zu begleiten. Sollte das nicht möglich sein, vermeiden Sie kleine Gassen und nehmen Sie lieber große, belebte Straßen, auch wenn’s länger dauert. Wenn Sie trekken gehen wollen, gehen Sie nicht ohne Begleitung eines Trekkingteams und/oder gemeinsam mit anderen. Oft führen Trekkingtouren vorbei an Militärstationen. Wenn Sie Soldaten begegnen, flirten Sie unter keinen Umständen mit ihnen, das kann schnell als Aufforderung gewertet werden. Sollten Sie in eine brenzlige Situation geraten, wehren Sie sich!

„Zu jeder Tageszeit erscheint die schroffe Landschaft in einem anderen Licht. Nachts sind die Sterne zum Greifen nah.“

Robert Wolf, Ladakh-Experte von Weltweitwandern