Vorsichtsmaßnahmen

Tipps zur Höhenanpassung

„Im Allgemeinen gibt es zwei grobe Fehler mit der Höhe umzugehen: Die einen reagieren mit panischer Angst, die anderen begegnen ihr mit Leichtsinn. Beides ist völlig falsch. Wer nur Angst hat, verrennt sich leicht in etwas und wird bestimmt krank. Noch fataler aber ist es, die Höhe nicht ernst zu nehmen. Besonders gefährdet sind Menschen, die sehr sportlich sind und sich zu viel zutrauen. Wer sich in der Höhe beweisen will, wird schnell bestraft! Als jemand, der auf 4.100m geboren und aufgewachsen ist und nun 20 Jahre Erfahrung mit Trekking im Himalaya hat, rate ich zu einer maßvollen Portion Respekt gegenüber der Höhe! Selbstüber- als auch –unterschätzung sind in der Höhe völlig fehl am Platz!“
Rinchen, Reiseleiterin von Weltweitwandern mit mehr als 20 Jahren Erfahrung



Viel Ruhe: Bei Ihrer Ankunft in größeren Höhen (besonders ab 3.000m) sollten Sie sich sofort zurücknehmen, entspannen, die Füße hoch legen, möglichst wenig tun. Nicht nur weil Sie im Urlaub sind, auch weil jedes Ansteigen der Ruhepulsfrequenz einen erhöhten Sauerstoffbedarf für Ihren Körper bedeutet. Die Folgen sind: Kopfschmerzen, Übelkeit, Atemlosigkeit und andere Höhenanpassungsprobleme. Das Hinterlistige dabei: Diese Symptome bekommen Sie üblicherweise erst viele Stunden später zu spüren! Deshalb, auch wenn Sie sich super und voller Kraft fühlen, lassen Sie sich zumindest die ersten 24 Stunden mal richtig gehen!


Gehen im Schneckentempo: Sollten Sie sich einfach nicht entspannen können, der Drang hinauszugehen ist groß, dann machen Sie das bitte sehr langsam! Gehen Sie nicht wie zu Hause, auch wenn Sie sich dabei komisch vorkommen! Wenn sich die Pulsfrequenz steigert, gehen Sie zu schnell. Jegliches Gehen über Schneckentempo wird sich einige Stunden später rächen: der Kopf schmerzt, das Herz rast, Ihnen ist speiübel …


Ein eindringlicher Appell an alle Sportlichen, die sich in der Höhe nur schwer zurückhalten können: Erfahrungsgemäß werden besonders die schnell krank, die der Höhe nicht mit dem nötigen Respekt begegnen.


Viel trinken: Die Regel: pro 1.000 Höhenmeter 1 Liter! Trinken Sie ruhig einen über den Durst, denn Flüssigkeit erleichtert Ihrem Körper die Aufnahme von Sauerstoff. Wer’s nicht so mit Wasser hat, kann auch Tee, Suppen oder Säfte zu sich nehmen. Aber bitte keinen Alkohol!


Vorsicht mit Medikamenten: Vermeiden Sie, wenn nur irgendwie möglich, Medikamente. Anpassungssymptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlaflosigkeit, Nasenbluten usw. sind zu Beginn ganz normal und kein Grund zur Panik, aber wichtige Warnsignale. Im Normalfall verschwinden Sie schon nach kurzer Zeit. Nehmen Sie Medikamente, verschleiern Sie die Symptome und erkennen nicht mehr, ob Ihr Körper bereits angepasst ist. Bitte nehmen Sie auf keinen Fall Aspirin, denn sein Wirkstoff verhindert die Aufnahme von Sauerstoff und kann somit fatale Auswirkungen haben. Bitte auch kein Diamox, denn das entwässert den Körper!


Keine Panik: Für alle, die Ihrer Reise in die Höhe mit etwas Angst begegnen: Keine Panik! Nur ein überaus geringer Anteil der Menschen kann sich trotz Einhaltung sämtlicher Regeln nicht an Höhen über 3.500m anpassen! Die Höhenkrankheit ist sehr selten!


Symptome ernst nehmen: Verschwinden die Anpassungsschwierigkeiten nicht bzw. verstärken sie sich, ist es dringend notwendig sich auch mitzuteilen. Teilen Sie Ihrem Führer und Ihren Mitreisenden lieber jedes kleine Wehwehchen, als nichts mit! Die Höhenkrankheit entwickelt sich zumeist sehr langsam, über viele Tage hinweg. Sie ist kein Herzinfarkt, der aus dem Nichts kommt! Sollte es Ihnen trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nicht besser gehen, wird Ihnen Ihr Guide zum Abstieg raten. Meist reichen wenige Höhenmeter und eine merkbare Besserung tritt ein!


Kein Alkohol: Besonders in den ersten Tagen gilt es die Finger vom Alkohol zu lassen, denn Bier, Schnaps und Co verzögern die Akklimatisierung!


Richtig und gut belüftet schlafen: Das Schlafen mit erhöhtem Oberkörper ist sehr hilfreich! Auch dankt Ihnen Ihr Körper, wenn Sie in gut belüfteten Zelten und Schlafräumen schlafen! Wer vor dem Schlafgehen 100 bis 200m hoch und wieder runter geht, schläft besser! Vermeiden Sie bitte Schlafmittel, die verzögern die Höhenanpassung.


Essen! Essen! Essen!: Beginnen Sie in größeren Höhen nie eine Diät! Essen Sie gut und kohlenhydratreich, auch wenn Sie kaum einen Appetit verspüren (viele Höhenreisende leiden unter Appetitlosigkeit!). Über Gewichtszunahme müssen Sie sich keine Sorgen machen, in diesen Höhen verbrennt der Körper ohnedies mehr Kalorien!


Vorsicht beim Essen & Trinken – das A & O der Vorbeugung

In der Höhenanpassungsphase ist Ihr Organismus geschwächt und dadurch anfälliger für diverse Erkrankungen wie Erkältungen und Darminfekte. Seien Sie daher besonders sorgfältig und achten Sie auf richtige Kleidung (Umziehen nach schwitzen, Halstuch gegen Kälte) und sauberes Wasser! Essen Sie kein ungeschältes Obst und Gemüse, wenig bis gar kein Fleisch!


• Meiden Sie ungekochtes oder ungefiltertes Wasser (auch Eiswürfel)!
• Kein rohes Gemüse, keine Salate und kein ungeschältes Obst essen!
• Vorsicht bei Cremes, Speiseeis, Mayonnaise u.a., auch wenn Sie Ihnen in sogenannten „besseren“ Lokalen geboten werden oder Sie in Plastik verpackt sind!
• Achtung bei Meeresfrüchten, Fisch, Eier und Fleisch: Was nicht gut abgebraten oder gekocht ist, nicht essen!
Trotz aller Vorsicht lässt sich gerade im Magen-Darm-Bereich nicht jedes Unwohlsein vermeiden. Die Umstellung auf fremde Kost macht unserem Körper besonders am Beginn zu schaffen. Das häufige Resultat: Durchfall oder Verstopfung! Nicht angenehm, aber auch nicht unbedingt schlimm. Sollte es Sie erwischt haben, ist Schonkost angesagt: Reis, Zwieback, Tee usw.


Bei Durchfall: Nicht vergessen, dass Ihr Körper dehydriert, daher viel trinken und gegebenenfalls Elektrolyt einnehmen. Wenn möglich auf Imodium & Co verzichten, da die Ursachen nicht behoben werden und Sie schnell Verstopfung bekommen könnten.


Bei Verstopfung: Ballaststoffreich essen (Getreide, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse) und sich viel bewegen!


Sonnenschutz für Haut, Kopf und Augen

Unterschätzen Sie nie die Intensität der Sonne! Ein Sonnenstich ist nicht angenehm und äußert sich in Übelkeit, Durchfall und Kopfschmerzen (Achtung die Symptome ähneln denen der Höhenanpassungschwierigkeiten!). Besser mit hohem Lichtschutzfaktor und Kopfbedeckung vorsorgen, auch wenn es Ihrer Meinung nach nicht schick aussieht! Auch die Augen leiden unter der grellen Höhensonne und danken es Ihnen, wenn Sie sie mit einer guten Sonnenbrille schützen.

„Ich bin eine Reisende zwischen zwei Welten, die mir viel bedeuten:
Österreich und Ladakh. Und ich suche und finde das Verbindende.“

Greta Kostka, langjährige Leiterin der „Friends of Lingshed“